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Der Autor Josef Haslinger (*1955) sagt in einem heutigen Interview einer lokalen Zeitung folgendes, auf die Frage wie er diese Solidarisierungswelle bewerte:

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"Je suis Charlie, das ist der große Reinwaschslogan geworden. Es ist nicht zu fassen, wer in aller Welt sich das nun auf die Fahnen schreibt. Politiker aus Russland, die gut daran täten, endlich die Mörder der Journalisten, die in den letzten Jahren umgebracht wurden, zu fassen. Selbst Politiker aus Saudi Arabien, Katar und aus der Türkei sind für ihre Image-Politur zur großen Je-suis-Charlie-Kundgebung nach Paris gereist, wo sie dann in einer Nebenstraße zum Fototermin antraten.

In Wirklichkeit gibt es nur wenige Menschen, die mit Fug und Recht "Je-suis-Charlie" sagen können, weil sie den Mut aufbringen, selbst in einer Bedrohungslage für ihre Überzeugungen einzustehen."
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"Selbstverständlich waren die Karikaturen respektlos. Aber wenn wir nicht das Recht verteidigen, auch Respektloses zu veröffentlichen, müssen wir wieder die Zensurbehörde einführen."

Auf die Frage warum Autoren mit Provokation arbeiten, warum braucht die Gesellschaft dieses Stilmittel?

"Wahrscheinlich braucht das die Gesellschaft, damit überhaupt noch eine Debatte stattfindet. Mit "normalen" Meinungen dringt kein Mensch mehr durch."

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"Heute sorgt die religiöse Polizei in Saudi Arabien dafür, dass dem Blogger Raif Badawi jeden Freitag öffentlich 50 Peitschenhiebe verabreicht werden, zusätzlich zu seiner zehnjährigen Gefängnisstrafe. Insgesamt soll er 1000 Peitschenhiebe bekommen. Die religiöse Polizei ist das, was in der katholischen Kirche das Heilige Offizium war - und sie verhält sich auch in vergleichbarer Weise."

 

Und mit solchen Ländern wie Saudi Arabien arbeitet die westliche Welt zusammen! Dies alles wegen wirtschaftlicher Vorteile. Solchen Ländern verkauf Deutschland Panzer. Es ist die abscheulichste Weise sich zu prostituieren.

 

Zu Blogger Raif Badawi siehe auch: 

 

"Strafe für saudi-arabischen Blogger..."

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/raif-badawi-auspeitschung-von-blogger-verschoben-a-1013316.html
Unglaublich wo diese Muslime im 21. Jahrhundert noch leben. In welchem Jahrhundert soll man die ansiedeln?
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Zur Person:
Josef Haslinger stammt aus Zwettl in Niederösterreich.
Er lebt in Wien und Leipzig. Studium der Philosophie,
Theaterwissenschaft und Germanistik. Seit 1996
Professor für literarische Ästhetik am Deutschen
Literaturinstitut Leipzig. Seit Mai 2013 Präsident des
PEN-Zentrums Deutschland

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Gruß Hubert